Dunkelflaute: Risiken & Schutzmaßnahmen für Unternehmen
Dunkelflauten stellen das Energiesystem immer wieder vor Herausforderungen: Wenn über mehrere Tage hinweg weder ausreichend Wind weht noch genügend Sonnenstrom erzeugt wird, sinkt das Angebot erneuerbarer Energie deutlich. Für Unternehmen mit hohem Energiebedarf können Dunkelflauten zu kurzfristigen Kostenerhöhungen sowie Unsicherheiten im Energieeinkauf führen. Wir zeigen, was Dunkelflauten sind, wie sich diese auf Strommärke auswirken und wie sich Unternehmen absichern.
Was ist eine Dunkelflaute?
Unter einer Dunkelflaute versteht man Zeiträume, in denen Wind- und Solarenergie gemeinsam nur einen kleinen Bruchteil des Strombedarfs decken können. Ursache sind meist stabile Hochdruckwetterlagen, bei denen über mehrere Tage hinweg kaum Wind weht und gleichzeitig dichte Bewölkung oder Nebel die Sonneneinstrahlung stark reduzieren. Je nach Definition spricht man von einer Dunkelflaute, wenn der Anteil von Wind- und Solarstrom über mindestens ein bis zwei Tage deutlich unter zehn bis 20 Prozent des Stromverbrauchs liegt.
Welche Auswirkungen hat eine Dunkelflaute auf die Strompreise?
Wenn Wind- und Solaranlagen nur minimale Mengen Strom einspeisen, steigt die Nachfrage nach konventionellen Erzeugungsquellen sprunghaft an. Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke sowie Importe aus dem Ausland müssen einspringen, um die Versorgungslücke zu schließen. Diese plötzliche Verlagerung der Last treibt die Preise an der Strombörse in die Höhe.
Ein Blick auf die vergangenen Jahre verdeutlicht die potenziellen Auswirkungen einer Dunkelflaute auf den Strommarkt: Im November 2024 kletterte der kurzfristige Strompreis (Day-Ahead-Markt) stellenweise auf über 800 €/MWh – das entspricht dem Zehnfachen üblicher Werte. Auch die Intraday-Märkte, auf denen Versorger besonders kurzfristig reagieren müssen, verzeichneten teils extreme Preisspitzen. Unternehmen, die auf flexible oder nicht langfristig abgesicherte Strommengen angewiesen sind, sehen sich während einer Dunkelflaute demnach mit erheblichen Mehrkosten konfrontiert.
Wie können sich Unternehmen vor Dunkelflauten schützen?
Dunkelflauten lassen sich nicht verhindern, ihre wirtschaftlichen Auswirkungen können aber begrenzt werden. Entscheidend ist, dass Unternehmen ihre Energieversorgung strategisch aufstellen. Je breiter und flexibler die eigene Beschaffungs- und Verbrauchsstruktur aufgestellt ist, desto besser reagiert sie auf wetterbedingte Engpässe und Preisspitzen.
- Langfristige Stromverträge abschließen: Power Purchase Agreements (PPAs) ermöglichen es Unternehmen, erneuerbaren Strom zu fixen Konditionen über mehrere Jahre zu beziehen. So lassen sich Preisschwankungen an der Börse infolge einer Dunkelflaute deutlich abfedern.
- Energiebeschaffung diversifizieren: Unternehmen, die Strom über mehrere Kanäle beziehen (z. B. über eine Mischung aus eigenerzeugtem Strom (z. B. BHKWs) und dem regulären ((Termin-)Strommarkt) reduzieren ihre Abhängigkeit von einzelnen Preisspitzen oder Erzeugungsausfällen.
- Lastmanagement nutzen: Durch intelligentes Lastmanagement können stromintensive Prozesse in günstigere Zeiten verlagert oder flexibel angepasst werden. Auch kurzfristige Reaktionen auf Preissignale werden dadurch möglich.
- Eigene Erzeugungsanlagen integrieren: Eine eigene PV-Anlage (ggf. mit angeschlossenem Batteriespeicher) kann gerade im Falle kleinerer Dunkelflauten helfen, kurzfristige Versorgungslücken zu überbrücken.
Dunkelflauten proaktiv begegnen: mit B+V Energie Consulting
Mit dem stetig wachsenden Anteil erneuerbarer Energien im Strommix steigt auch die Bedeutung von Dunkelflauten. Während Wind- und Solarenergie im Tagesverlauf oft zuverlässig einspeisen, entstehen in Phasen ohne Sonne und Wind erhebliche Versorgungslücken. Bei B+V Energie Consulting unterstützen wir Sie dabei, sich auf die neue Energiewirklichkeit einzustellen. Als erfahrener Partner im Bereich Energiedienstleistungen entwickeln wir individuelle Konzepte, mit denen sich Energiekosten langfristig senken und Klimaziele erreichen lassen. Ob strategischer Energieeinkauf, die Einführung eines intelligenten Energiemanagementsystems oder der Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten – wir finden Lösungen, die zu Ihrem Unternehmen passen.
Bei B+V Energie Consulting begleiten wir Unternehmen seit über 20 Jahren mit vielfältigen Energiedienstleistungen. Wir unterstützen Sie im Rahmen unserer Energieberatung Sie bei der Entwicklung maßgeschneiderter Dekarbonisierungsstrategien, der Einführung von Energiemanagementsystemen, der lückenlosen Energiecontrolling-Dokumentation und der Nachweisführung zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben. Unser Team identifiziert Einsparpotenziale, strukturiert Energiedaten, optimiert Beschaffung und Netzentgelte und schafft die Grundlage für ein transparentes, zukunftsfähiges Energiesystem. Sobald die Regelungen zum Industriestrompreis final beschlossen sind, prüfen wir für Sie die Voraussetzungen zum Industriestrompreis, und unterstützen bei einer möglichen Antragsstellung.
Stand: Dezember 2025
FAQs zu Dunkelflauten
Wie oft treten Dunkelflauten in Deutschland auf?
Dunkelflauten, die länger als 48 Stunden andauern, treten in Deutschland laut Studien des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) durchschnittlich zweimal pro Jahr auf. Die Dauer variiert dabei zwischen zwei und acht Tagen, wobei sie besonders häufig in den Wintermonaten zwischen November und Februar vorkommen.
Ist die Stromversorgung während einer Dunkelflaute in Deutschland gefährdet?
Die Befürchtung eines flächendeckenden Blackouts durch Dunkelflauten ist ein Mythos – die Stromversorgung in Deutschland bleibt auch während dieser Phasen stabil. Deutschland verfügt über eines der sichersten Stromnetze weltweit, und selbst während mehrtägiger Dunkelflauten konnte die Versorgung bisher immer durch konventionelle Kraftwerke, Speicher und Stromimporte aus Nachbarländern gewährleistet werden.
Wann treten Dunkelflauten auf?
Dunkelflauten treten in der Regel in den Herbst- und Wintermonaten zwischen Ende Januar und Anfang Februar auf. Sie entstehen durch spezifische Großwetterlagen wie das sogenannte „Hoch Mitteleuropa“, bei dem ein stabiles Hochdruckgebiet mit minimalem Windaufkommen über Mitteleuropa verharrt.
Warum führen Dunkelflauten zu stark steigenden Strompreisen?
Während einer Dunkelflaute müssen teure Gas- und Kohlekraftwerke die fehlende Erzeugung aus Wind und Sonne kompensieren, was die Produktionskosten erheblich erhöht. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach diesen begrenzten Kapazitäten, während Deutschland verstärkt auf Stromimporte aus Nachbarländern angewiesen ist, die ebenfalls von ähnlichen Wetterbedingungen betroffen sein können.
Welche Unternehmen sind von Dunkelflauten betroffen?
Besonders betroffen sind energieintensive Unternehmen aus der Industrie, die hohe Strommengen benötigen und deren Energiekosten einen wesentlichen Anteil an den Gesamtkosten ausmachen. Unternehmen, die ihren Strom direkt an der Börse einkaufen oder deren Verträge an variable Börsenpreise gekoppelt sind, spüren die Preisspitzen unmittelbar und müssen im Extremfall ihre Produktion drosseln.